Haters gonna hate

Es ist die Angst, die anderen Macht über einen gibt.

Aber wie soll man keine Angst verspüren, wenn man immer und immer wieder belästigt wird. Ich traue mich nicht von ‚Stalking‘ zu sprechen, denn das würde bedeuten, dass es sich stets um die gleiche Person handelt, die Kontakt zu mir sucht. Ich bin mir ziemlich sicher, dass dies nicht der Fall ist, es also unterschiedliche Menschen sind. Das macht die Situation für mich fast noch beängstigender, denn ich stelle mir die Frage, was ich getan habe, um so viel unerwünschte Aufmerksamkeit zu bekommen.

Genau das ist aber der springende Punkt: Egal wie sehr ich mich in der Öffentlichkeit bewege oder wie viele Zeitungsartikel es über mich gibt, niemand hat das Recht, mich zu belästigen. Es ist ein bekanntes Phänomen, dass Opfer von Gewalt und Stalking zunächst die Schuld bei sich suchen. War ich zu freizügig, habe ich zu sehr auf mich aufmerksam gemacht?

Genau das waren meine ersten Gedanken, als ich kurz nach unserer Hochzeit von einer lieben Followerin auf ein Video aufmerksam gemacht wurde, das auf Instagram kursierte. Jemand hatte ein private Aufnahme von meinem Einzug in die Kirche zusammen mit meinem Vater manipuliert. Eine bekannte Manipulation, wie man sie in den ‚Thug Life‘ Videos oft findet. Meinem Vater fliegt eine Zigarre in den Mund und eine bekannte Melodie wurde überspielt.
Ich hatte gerade meinen Namen bei Instagram geändert und so konnte der Verursacher zudem meinen alten Namen ‚antonia.sachsen‘ nutzen.

Ihr könnt Euch vorstellen, was das für ein Schock für mich war – zwei Tage nach der Hochzeit! Man schwebt noch auf Wolke sieben und denkt sich, nichts kann dieses wunderbare Gefühl trüben und dann entdeckt man so etwas.

Den nächsten Tag habe ich damit zugebracht herauszufinden, wer dieses Video weitergeleitet hat, denn es musste ein Hochzeitsgast sein. Am Ende stellte sich heraus, dass jemand das Video ohne böse Hintergedanken an Freunde verschickt hat und diese schickten es wieder weiter, bis es bei Demjenigen landete, der es letztlich verunstaltete. Nachdem ich dem Account mit der Polizei gedroht habe, wurde der Name in ‚Ich bin dummmm‘ verändert und die Profilinformation war ‚Antonia ist dumm‘.

Zurückblickend ist es einfach nur lächerlich, aber in dem Moment habe ich sehr gelitten. Es ging sogar so weit, dass diese Person sogar einen extra Fake Account mit einer Fake Identität (inkl. Foto!) erstellt hat, um sich bei mir zu entschuldigen und dennoch die Anonymität zu wahren.

In dieser Zeit sind mir mein Mann und meine Freunde unglaublich unterstützend beiseite gestanden, ich war nie allein mit meiner Angst und meinen Gedanken. Nachdem ein paar Monate verstrichen waren, habe ich auch damit abschließen können. Bis gestern.

Ich war alleine in einer anderen Stadt und habe gearbeitet, als gestern Abend das Telefon klingelte. Nachdem ich so vertieft gewesen war in meine Arbeit, habe ich gar nicht gemerkt, dass es schon nach 22 Uhr war. Als ich ‚Private Nummer‘ auf meinem Bildschirm las, dachte ich sofort an meine Patentante, die immer unbewusst mit unterdrückter Nummer anruft, und ging deswegen ran. Aber es war nicht meine Patentante.

Im Nachhinein kann ich nicht mal mehr sagen, ob die Stimme weiblich oder männlich war. Ich wurde gefragt, ob ich Antonia Hutter sei von dem Modelabel AvSG. Auch jetzt dachte ich mir noch nichts komisches, nachdem oft ältere Kunden in Altholz anrufen, um sich über uns zu informieren und eine Bestellung in Auftrag zu geben. Die Person am anderen Ende der Leitung sprach sehr undeutlich und ich glaube gehört zu haben, dass sie aus Paris käme. Ich verstand nicht sehr viel, nur etwas von einer Kooperation. Da wurde ich dann doch etwas stutzig und erwiderte, dass ich auf einer Dienstreise sei und man mir doch eine Mail schreiben solle. Die Person bejahte das mit der Mail, doch ich fühlte mich so unwohl auf einmal, dass ich einfach auflegte.

Während ich meinem Mann eine Nachricht schrieb, um von diesem merkwürdigen Anruf zu berichten, klingelte es wieder. Ich drückte den Anruf weg, aber es klingelte immer wieder. Als mein Mann mir endlich antwortete, blinkte mein Handy auf, um mich auf eine neue Nachricht auf der Mobilbox aufmerksam zu machen. Langsam bekam ich es mit der Angst zu tun, hoffte aber noch, dass es sich aufklären würde und die Person wirklich anständige Absichten hatte.

Ich hörte also die Nachricht ab. Was ich aber hörte, versetzte mich in eine gewisse Panik. Es war meine eigene Stimme, die sprach ‚Antonia Sachsen Gessaphe‘. Die Person hatte meine (noch nicht aktualisierte) Ansage aufgenommen und sie abgespielt.

In so einem Moment gehen einem tausende Dinge durch den Kopf. Das erste aber war: Geht das jetzt schon wieder los? Ich beantwortete mir diese Frage selbst: Nein!

Dieses Mal gebe ich der Person keine Macht. Weder die Macht über meine Gedanken, noch über mein Handeln. Ich bin mir sicher, dass es sich nicht um die gleiche Person handelt, wie bei der Hochzeitssache, denn mein Standpunkt beim letzten Mal war ziemlich deutlich.

Dennoch überlegt man sich natürlich, wer es sein könnte. Aber egal, ob ich diesen Menschen nun kenne oder nicht, ob ich ihn mit meinem öffentlichen Auftritt auf mich aufmerksam gemacht habe, oder ob es ein ehemaliger „Freund“ aus unserem Bekanntenkreis ist. Was dessen niederträchtige Beweggründe für eine solche Aktion sind, darüber kann ich nur spekulieren, und will es letztendlich gar nicht so genau wissen.

Wichtig ist mir nur, dass ich meine Angst überwunden habe und genau aus diesem Grund möchte ich bzw. sollten alle, die ähnliches erlebt haben, von ihren persönlichen Erfahrungen berichten und damit diesen traurigen Menschen ihre Macht nehmen!

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